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Aktuelles
23.01.2014
Statt Tierwohl: Preissenkung bei Bioeiern

Groß angekündigt – nichts umgesetzt: Auf diesen kurzen Nenner kann man die Reaktion auf die Geflügel- und Fleischskandale des Jahres 2013 bringen. Die Großen der Branche scheinen auf die Vergesslichkeit der Verbraucher zu hoffen, denn die medienwirksam angekündigte Tierwohl-Kampagne und die Zusage, Landwirte für eine artgerechtere Haltung von Schweinen und Geflügel besser zu bezahlen kommt nicht so recht in Gang. Die Umsetzung dieser Ziele, für Anfang 2014 angekündigt, wird erst mal um ein paar Monate verschoben.

In der Biobranche haben als Vorreiter die Bioverbände in NRW mit wissenschaftlicher Unterstützung einen Leitfaden für das Tierwohl erarbeitet und diesen auch in einer einjährigen Probephase auf seine Praxistauglichkeit hin überprüft. Nur hilft es wenig, wenn ökologische Verbände mit Ausnahme­regelungen und langen Übergangszeiten ihre eigenen Richtlinien aushebeln. Darüber hinaus haben Erzeuger die nach EU-Bio-Verordnung arbeiten ganz legal die Möglichkeit Bio-Massentier­haltung zu betreiben.

Abhilfe für dieses unwürdige Spiel würde eine Erhöhung der Lebensmittel­preise bringen. Aber was passiert? Discounter verkaufen Eier zu Billigst­preisen bzw. senken die Preise weiter. Der Druck auf die Erzeuger erhöht sich. Und wenn deutsche Erzeuger nicht mehr mithalten können, wird im Ausland gekauft. Der Verbrau­cher, der im guten Glauben Bioeier kauft, wird getäuscht. Getäuscht im dem Sinne, dass die einerseits suggerierte, andererseits in den Verbraucher­köpfen bestehende, Vorstellung von guter Bioerzeugung aus landwirtschaftlichen Betrieben nicht eingehalten wird.

Fazit: Nicht ein weiteres Label ist nötig, auch wenn es den schönen Namen „Tierwohl“ trägt, sondern das Bewusstsein, dass gute Lebensmittel ihren Preis haben. Denn nur wenn Landwirte einen wirtschaftlich sinnvollen Betrag für ihre Erzeugnisse erhalten, kann Tieren ein tiergerechtes Leben mit einem hochwertigen Futter aus bäuerlicher Kreislaufwirtschaft und einem ange­messenen Platzangebot, garantiert werden. Darüber hinaus können dann auch kleine landwirtschaftliche Betriebe überleben. Und das ist nicht nur ein wirtschaftliches Plus, sondern auch ein soziales und kulturelles.

Rund 12% vom Nettoeinkommen gibt der Durchschnittsverbraucher für Lebensmittel aus. Einen nicht zu geringen Teil davon wirft er in den Müll. Schätzungen zufolge werden in Deutschland knapp 11 Mio. Tonnen Lebensmittel von Industrie, Handel, Großverbrauchern und Privathaus­halten „entsorgt“. Nach einer Studie der Universität Stuttgart (März 2012) liegt dabei der Hauptanteil mit 61% an der Gesamtmenge bei den Haushalten. „Pro Verbraucher und Tag lässt sich eine Menge von 225 Gramm Lebens­mittel errechnen, die in der Tonne landen“, so das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in einer Pressemeldung. Eine Entwicklung, die ebenfalls der fehlenden Wertschätzung von Lebens­mitteln geschuldet ist.

Wenn Lebensmittel, in diesem Fall Bioeier, zu den Preisen verkauft würden, die eine ehrliche, tiergerechte und möglichst regionale Erzeugung ermöglichten, dann gäbe es wohl nur „glückliche Hühner“. Und wenn die Wertigkeit von Lebensmitteln wieder in den Fokus rückt, werden auch die Müllberge weniger. Und wer nicht mehr so viel wegwirft hat mehr Geld für wirklich gute Produkte, die er dann auch isst.

Die IBG fordert daher, dass der Preiskampf der Discounter nicht auf dem Rücken der Tiere und der Bauern ausgetragen wird und das Tierwohl-Label nicht nur ein medienwirksames Lippenbekenntnis bleibt.

   
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