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Aktuelles
21.11.2017
Großer Biokreis-Imkertag widmet sich Rückständen im Bienenwachs

Wachs ist die Wiege des Bienenvolkes und damit für die Imkerei von zentraler Bedeutung. Doch was sich im Bienenwachs zeigt, ist ein Spiegel der umliegenden Land(wirt)schaft. Rückstandsfreiheit gibt es damit nicht – wir können nur Rückstandsarmut anstreben. So das Fazit des 4. Biokreis-Imkertags, der am 18. November im Tiergarten Nürnberg stattfand. Die Schlussfolgerung ließe sich wohl auf viele Produkte aus ökologischer Erzeugung übertragen, beim Imkertag stand das Thema Bienenwachs im Fokus. Gut 100 Imker folgten der Einladung des Biokreis zur Weiterbildung und zum Austausch. Neben den Biokreis-Imkern waren auch rund 60 Imker dabei, die sich über eine Umstellung auf Bio-Imkerei informieren wollten. Den Reigen der fünf Vorträge zum Thema Wachs eröffnete Biokreis-Berater Marc Schüller, der die große Bedeutung des Wachses für Bienenvolk und Imker betonte: Es ist Lagerstätte für Honig und Pollen sowie Brut- und Sitzplatz der Bienen. Eingesetzt wird es unter anderem in Pharmazie, Industrie und Lebensmitteln, in Form von Mittelwänden wird es an die Bienen zurückgegeben. Fettlösliche Stoffe wie Varroamittel oder Pestizide nimmt das Wachs leicht auf. Besonders problematisch ist es daher, dass es keine gesetzlichen Regelungen für die in der Imkerei eingesetzten Mittelwände gibt. Denn Rückstände sind allgegenwärtig.

Rückstände aus vielfältigen Quellen

Helmut Prenzyna, Imkereibedarf-Händler im Biokreis, zeigte, welche Verschmutzungen bei der Umarbeitung des Wachses zu Mittelwänden auftreten können. Doch bereits das unverarbeitete Wachs ist stark belastet: Dr. Andreas Schierling vom Tiergesundheitsdienst Bayern untersucht im staatlichen Auftrag Proben mit dem Bestimmungswert von 0,5 mg/kg: Selbst bei dieser hohen Messgrenze werden rund 50 Prozent der Wachsproben als belastet sichtbar! Bei einem niedrigeren Wert hätte wohl auch kein Bio-Imker rückstandsfreies Wachs, so Schierling. Viele der Rückstände stammen dabei aus der (konventionellen) Imkerei selbst in Form von Varroaziden und eben nicht nur aus Pflanzenschutzmitteln konventioneller Landwirtschaft. Albrecht Friedle, Chemiker und Inhaber des privaten Rückstandslabors Labor Friedle GmbH in Regensburg, hat konventionelles Mittelwandwachs mit dem strengeren Bestimmungswert von 0,01 mg/kg untersucht. Dieser entspricht nämlich dem Rückstandshöchstgehalt (RHG) von Lebensmitteln wie Honig. Betrachtet man Wachs wie ein Lebensmittel – dafür gäbe es durchaus gute Argumente –, wären Rückstände von erheblich mehr Mitteln nachweisbar: Beispielhaft kämen bei einem Bestimmungswert von 0,5 mg/kg zwei Mittel zutage, bei einem Bestimmungswert von 0,01 mg/kg sogar 22 Mittel. Sieben davon liegen über dem zulässigen RHG – Wachs wäre damit nicht verkehrsfähig! Auch Albrecht Friedle konnte Rückstände aus der Imkerei selbst sowie aus Pflanzenschutz-, Holzschutz- und Desinfektionsmitteln nachweisen. Sechs der 22 gefundenen Mittel der genannten Untersuchung sind sogar in letaler, also tödlicher Dosis nachgewiesen. Neben der unmittelbar tödlichen Wirkung gibt es zudem chronische Auswirkungen auf die Gesundheit der Bienen. Hierzu stellte Marc Schüller die Forschungsergebnisse von Prof. Dr. Randolf Menzel vor, der zeigte, dass bereits winzige Mengen von Neonicotinoiden die Orientierung und Kommunikation der Bienen stören. Diese Forschungen werden zur Zeit in dem Projekt „Umweltspäher“ weitergeführt. Biokreis-Berater Hubert Dietrich zeigte anhand der Untersuchungen am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), dass sich auch im Honig Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachweisen lassen.

Biokreis entwickelt Orientierungswerte aus der Praxis heraus

Diese Rückstände sind dabei kein ausschließliches Problem konventioneller Imkerei! Albrecht Friedle untersuchte Bio-Bienenwachs und fand auch hier toxische Rückstände – rückstandsfrei ist nicht möglich! Doch die gute Nachricht: Es ist grundsätzlich möglich, zumindest rückstandsarme Mittelwände zu produzieren, wie die Analyse der Mittelwachswand „Beste Freunde“ des Imkereibedarfs Prenzyna zeigte. Welche Konsequenzen ergeben sich nun für die Bio-Imkerei? - so die wichtigste Frage der abschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Biokreis-Imker Werner Bader. Da Grenzwerte nur vom Gesetzgeber erlassen werden, wäre es Aufgabe der Verbände, Orientierungswerte für Höchstbelastungsgrenzen zu entwickeln. Wichtig sei es auch, unterschiedliche Wachsqualitäten (wie Entdeckelungswachs, Drohnenwachs, Altwachs...) zu trennen und die unterschiedliche Belastung zu erforschen. Dabei zeigte sich auch die Problematik eines eigenen Wachskreislaufes: Kontaminationen potenzieren sich im Laufe der Jahre, gute imkerliche Praxis sei, das eigene Wachs nicht ein zweites Mal als Mittelwand zu verwenden. Doch gäbe es ohne das Altwachs überhaupt ausreichend sauberes Wachs? Das einhellige Fazit war, dass zwar weniger, aber genügend Wachs vorhanden wäre, die Preise hierfür jedoch weiter steigen würden.

Der Biokreis wird sich an die Festlegung von Orientierungswerten heranwagen, die das Spektrum von Rückständen erfassen. Dabei sollte das Minimierungsgebot gelten – denn die Wachsqualität spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Bienen! Einen ersten Beitrag zur Festlegung eines Orientierungswertes zeigte sich bereits bei der internen Biokreis-Runde am Nachmittag: Mehrere Biokreis-Imker werden im Jahreszyklus von unterschiedlichen Stellen im Volk Wachsproben analysieren lassen, um so eine Basis für eine Definition zu gewinnen.

   
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