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Aktuelles
02.08.2016
Biokreis fordert Umdenken in der Milchproduktion: Weniger, aber bessere Milch!

Seit dem Wegfall der Milchquote wird mehr Milch produziert als getrunken. Die Preise auf dem konventionellen Milch-Markt sind im Keller. Klar ist: Die Milchmenge muss nachhaltig gesenkt werden. Um dies zu erreichen, könnte die Reduzierung von Kraftfutter ein Lösungsweg sein. Der ökologische Anbauverband Biokreis plädiert daher für ein Milchextensivierungsprogramm, das eine Reduzierung von Kraftfutter honoriert. Auch Heu-Milch, Weidegang, Grünfütterung und die Haltung standortangepasster Rassen könnten wesentliche Anforderungen eines solchen Programms sein. „Als Ergebnis könnte weniger, aber bessere Milch zu höheren Preisen erzeugt werden“, sagt Biokreis-Geschäftsführer Sepp Brunnbauer.

Ohne Kraftfutter 30 Prozent weniger Milch
„Über viele Jahrtausende haben die Bauern ihre Milchkühe nur mit Gras, Klee und Kräutern gefüttert. An diese Futtermittel ist der Verdauungstrakt der Wiederkäuer optimal angepasst“, erklärt Biokreis-Landwirt Andreas Remmelberger, Träger der bayerischen Staatsmedaille für Landwirtschaft. Er fordert ein KULAP-Programm „Milcherzeugung mit wiederkäuergemäßer Fütterung“. Als Auflagen sieht er etwa die ausschließliche Fütterung mit heimischen, gentechnikfreien Futtermitteln, den kompletten Verzicht auf Mais und die Begrenzung von Kraftfutter auf ein Kilogramm pro Tag und Tier vor. Die durchschnittliche Milcherzeugung einer Kuh liegt bei 7000 Kilogramm pro Jahr, ohne die Gabe von Mais und Kraftfutter sinkt sie auf 4900 Kilogramm. „Allein durch die um 30 Prozent niedrigere Milchmenge könnte bei einer Teilnahme von 15 Prozent der Milchbauern die Milcherzeugung um rund 4,5 Prozent gesenkt werden.“

Grünfutter im Biokreis vorgeschrieben
Wer glaubt, dass herkömmliche Kühe Gras bekommen, irrt gewaltig. Üblicherweise fressen Kühe auf konventionellen Betrieben ganzjährig Silage und Kraftfutter. Milcherzeugung in Deutschland hat größtenteils nichts mit dem Idealbild einer grasenden Kuh zu tun. Einer der größten Hemmschwellen, auf Bio umzustellen, ist neben der Flächenknappheit und dem entsprechenden GV-Besatz (Großvieheinheiten pro Hektar) der Umstand, dass konventionelle Betriebe nicht mehr in der Lage sind, ihren Kühen Gras zu füttern.  
Die Futterration von Biokreis-Milchvieh muss zu jeder Jahreszeit mindestens 60 Prozent der Trockenmasse an Strukturfutter enthalten. Im Sommer muss das Grundfutter zu 50 Prozent aus Grünfutter, das möglichst durch Weidegang aufgenommen wird, bestehen. Die Biokreis-Berater unterstützen die Landwirte dahingehend, die Kraftfutterrationen zu reduzieren. „Der Verbraucher muss jedoch bereit sein, für beste Milch –nämlich Bio-Milch aus der Region – einen fairen Preis zu bezahlen“, so Sepp Brunnbauer.

Durch Gras, Klee und Kräuter zu mehr Omega-3-Fettsäuren
Damit dient der Verbraucher nicht nur der heimischen Wirtschaft, sondern auch der eigenen Gesundheit. Studien belegen, dass Kühe, die nur Gras, Klee und Kräuter fressen, eine andere Milch geben als Kühe, deren Futter zu großen Teilen aus Mais und Kraftfutter besteht. Mit einer Fütterung von Gras, Klee und Kräutern können Omega-3-Fettsäuren in der Größenordnung von 1,5 g pro 100 g Milchfett erreicht werden – das ist doppelt bis drei Mal so viel wie üblicherweise in konventioneller Milch steckt. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend, schützen vor Asthma, Allergien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Depressionen und fördern die Lernfähigkeit und Intelligenz.

Beitrag zu Tiergesundheit, Umwelt- und Klimaschutz
Mit wiederkäuergemäßer Fütterung wird auch ein Beitrag zur Tiergesundheit geleistet. Sie  trägt über die Nutzung des Grünlandes und den Humusaufbau sogar zur CO² Senkung bei und erhält die Kulturlandschaft. Außerdem wirkt sie der Zunahme des Maisanbaus, durch den es verstärkt zu Krankheiten und Schädlingsbefall kommt, entgegen.

Milcherzeugung ohne Kraftfutter ist wirtschaftlich!

Dass eine kraftfutterarme Wirtschaftsweise für Milchviehbetriebe wirtschaftlich tragfähig und krisenfest ist, zeigt eine Studie von Dr. Karin Jürgens und Professor Onno Poppinga (bioNachrichten April 2016, auch unter www.biokreis.de). Im Vergleich zur Situation auf Betrieben mit einer konventionellen Fütterung kann sie noch mehr Familien-mitgliedern ein Einkommen aus der Landwirtschaft bieten. So wird dieses Fütterungssystem auch insgesamt zur Entlastung auf vielen betrieblichen und persönlichen Ebenen: durch vereinfachte Arbeitsgänge und -strukturen, eine verbesserte Gesundheitssituation der Milchkühe und vor allem, weil die Milchbauern ihre ideellen Ziele und ethischen Grundhaltungen darin besser verwirklichen können.

 

Quellen:
www.muva.de/muva/web.nsf/gfx/CE29741B4A4C6558C12572DD004EC514/$file/Omega-3-Fettsaeuren.pdf
www.swissmedicalplus.ch/wissenschaftliche_studien.php
www.region-aktiv-chiemgau-inn-salzach.de/omega-3-weidemilch-und-weidefleisch
www.kasseler-institut.org/31.0.html
www.breitwiesenhof.de/wp-content/uploads/2015/08/Forschung_2015-5.pdf

   
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