biokreis
Aktuelles
28.01.2016
Stellungnahme von Karl Schweisfurth zur Berichterstattung über die Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunden und Freunde
der Herrmannsdorfer Landwerkstätten,
in der Sendung FAKT am 26.01.2016 hat die ARD die ökologische Schweinehaltung thematisiert und dabei auch über unsere Herrmannsdorfer Landwerkstätten berichtet. Zu den wichtigsten Grundsätzen der Herrmannsdorfer Landwerkstätten zählt Transparenz. Daher standen wir dem ARD-Team gerne Rede und Antwort über die Tiergesundheit in der biologischen Landwirtschaft und haben den Reportern einen offenen Einblick in unseren Betrieb, unsere Abläufe und unsere gesamte Dokumentation gewährt. Wir freuen uns, dass das von der Redaktion wertgeschätzt wurde und, wie dargestellt, uns von vielen anderen Betrieben unterscheidet.
Da der Beitrag aus unserer Sicht in Teilen etwas schwer verständlich war, möchten wir im Sinne unseres Transparenz-Grundsatzes an dieser Stelle noch einmal kurz verdeutlichen, was es mit den behandelten Fragen nach Antibiotika-Einsatz und Ferkelsterblichkeit konkret auf sich hat.

Einsatz von Antibiotika:
Unsere 600 Schweine in Herrmannsdorf leben auf Stroh, haben bei Sonne und Regen Auslauf ins Freie, wühlen, rennen und spielen, wie es ihrer Art entspricht. Wenn eines unserer Tiere erkrankt ist oder sich verletzt hat, verwenden wir seit Jahren bei der Versorgung vorrangig homöopathische Präparate und andere alternative Heilmittel. Wenn diese Mittel nicht helfen, wird einem kranken Tier nach Rücksprache mit dem Tierarzt – wenn nötig und im Sinne des Tierwohls – ein Antibiotikum gegeben. Kein Tier sollte leiden. Allein der behandelnde Tierarzt entscheidet und verantwortet, ob und welches Antibiotikum er verordnet.
Ein Tier darf nach den Bio-Richtlinien innerhalb eines Jahres nur einmal mit Antibiotika behandelt werden. So wird das natürlich auch bei uns praktiziert. Niemals würden wir prophylaktisch einem gesunden Tier Antibiotika verabreichen. Zwischen der Behandlung mit einem Antibiotikum und der Schlachtung eines Schweines muss eine Wartezeit eingehalten werden; diese ist im Biolandbau doppelt so lange, wie es eigentlich für das jeweilige Präparat vorgeschrieben ist. So auch beiuns. Der amtliche Veterinär nimmt regelmäßig unangekündigt Fleischproben und lässt sie auf Antibiotika-Rückstände untersuchen. Wir Herrmannsdorfer hatten noch nie eine Probe mit Rückständen. Diese Zusammenhänge sind seit jeher auf unserer Webseite ausführlich beschrieben und erklärt und auch fester Bestandteil bei der Schulung unserer Mitarbeiter, insbesondere des Verkaufspersonals. Wir werden zukünftig noch stärker darauf achten, dass es hier keine Missverständnisse gibt.

Ferkelsterblichkeit:
Mit unseren Schwäbisch-Hällischen Sauen setzen wir bewusst auf eine nicht überzüchtete Rasse, die in der Massentierhaltung keine Chance hätte, weil sie relativ wenig Nachwuchs wirft. Im letzten Jahr haben wir pro Wurf jedoch ungewöhnlich viele Ferkel bekommen – bis zu 20. Üblich sind durchschnittlich 12 bis maximal 14 Schweinchen. Derart große Würfe führen leider häufig auch dazu, dass mehr Ferkel als üblich schwach auf die Welt kommen und geringe Überlebenschancen haben. So stieg die Sterblichkeitsrate in 2015 zeitweise auf ungewöhnlich hohe 25%. Erfreulicherweise hat sich die Sterblichkeitsrate mittlerweile wieder normalisiert.

Fixierung von Sauen in Kastenständen:
Diese Praxis findet in den Herrmannsdorfer Landwerkstätten nicht mehr statt. Der Film gibt nicht den aktuellen Zustand wieder. Seit Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema, wie wir die Abferkelung gut gestalten. Wir wägen ab zwischen dem Wohlbefinden der Sau und dem Leid der Ferkel, wenn sie erdrückt werden. Man muss sich das vorstellen: Eine Sau wiegt 250 kg, ein frisch geborenes Ferkel durchschnittlich 1,6 kg. Wenn sich die Sau aus Versehen auf ein Ferkel legt, hat es keine Chance. Als wir unseren Stall im Jahr 2000 neu gebaut haben, waren Bio-Ställe mit der Möglichkeit die Sauen zu fixieren das anerkannt modernste System. Deswegen haben wir sie damals eingebaut. War eine Sau unruhig, haben wir maximal 7 Tage die Fixierung eingesetzt. Einmal am Tag konnte die Sau in den Auslauf. Mittlerweile sind Stallsysteme entwickelt worden, in denen die freie Abferkelung ohne erhöhte Ferkelsterblichkeit möglich ist. Deswegen haben wir Ende 2015 umgerüstet und seitdem werden die Sauen bei uns nicht mehr fixiert.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kunden und Freunde, wir hoffen, dass diese Erläuterungen helfen, den gesendeten FAKT-Beitrag über unsere Arbeit besser
einzuordnen.
Ihre Herrmannsdorfer Landwerkstätten.
Karl Schweisfurth

   
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