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Aktuelles
17.12.2015
16 Prozent der Lederprodukte enthalten zu viel Chrom VI – der Biokreis zertifiziert die Alternativen

Hohe Gehalte von Chrom VI in Lederwaren mussten die Überwachungsbehörden immer wieder beanstanden. Der Biokreis hat mit einem eigenen Siegel für Lederwaren ein Zeichen geschaffen, das Häute von Bio-Tieren sowie deren ökologische Gerbung, Färbung und Verarbeitung zertifiziert.  

Die Ergebnisse der Ende November 2015 vorgestellten bundesweiten Lebensmittel- und Bedarfsgegenständeüberwachung 2014 bestätigen das negative Urteil vergangener Untersuchungen: Bei 16 Prozent der 386 untersuchten Proben von Handschuhen, Rucksäcken, Taschen, Arbeitsbekleidung und Schuhen wurde die gesetzlich zulässige Nachweisgrenze für Chrom VI von 3 mg/kg überschritten. 

Chrom VI-Verbindungen können unter bestimmten Bedingungen bei der Gerbung von Leder mit Chrom III entstehen. Chrom VI löst bei vielen Menschen allergische Reaktionen aus, bei Kontakt über einen längeren Zeitraum wirkt es toxisch und krebserregend. Aus diesem Grund verbietet die deutsche Bedarfsgegenständeverordnung seit 2010 Verfahren, bei denen in dem hergestellten Produkt Chrom VI entstehen können. Allerdings kann sich Chrom VI auch später noch durch Nässe und Schweiß bilden, auch wenn vorher keine Chrom VI Moleküle enthalten waren. Will man dieses Risiko vermeiden muss man bei der Gerbung komplett auf Chrom verzichten.

Der gesetzlich festgelegten Obergrenze für Chrom VI stehen jedoch die Befunde der aktuellen Lebensmittel- und Bedarfsgegenständeüberwachung gegenüber. Der Verbraucher ist in Anbetracht dieser Verstöße gegen die europaweite Regelung auf unabhängige Kontrollen angewiesen. So bestätigt der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. mit dem Zertifikat „IVN Naturleder 3.0“ die unbedenkliche Verarbeitung und Gerbung der Häute.

Wie jedoch die Tiere als Lieferanten der Häute gehalten und geschlachtet werden, regelt der IVN nicht. Aus diesem Grund hat sich der Biokreis mit seinem Zertifikat für die Gerbung und Verarbeitung von Leder dem Thema angenommen: 

Initiator war 2012 das Biokreis-Mitglied Niko Gottschaller, der der Meinung war, dass „von einer ökologischen Kuh in die viel Zeit, Energie und Geld investiert wurde, doch mehr verwertbar sein müsse als Milch und Fleisch!“ Gemeinsam mit der Firma EcoPell wurden im Sommer 2012 die ersten 200 Bio-Rinderhäute eingesammelt und gegerbt.

Das inzwischen entstandene Biokreis-Zertifikat für Leder umfasst die Standards der IVN-Zertifizierung zur Gerbung und Färbung des Leders. Zudem nimmt es den Prozess vor der Verarbeitung des Leders in den Blick: Die Richtlinien fordern Haltung, Transport und Schlachtung der Tiere entsprechend der gültigen Biokreis-Richtlinien für Landwirte zu gestalten und ermöglichen die regionale Produktion von ökologischen Lederprodukten Made in Germany.

Welche Gerbereien und Verarbeiter bereits mit dem Biokreis-Leder-Siegel zertifiziert wurden erfahren Sie auf einer Übersicht unserer Verarbeiter. Der Kreis der beteiligten Betriebe wird stetig erweitert. Das Ziel des Biokreis ist es, dass der Konsument unter dem Motto „Bioleder mit Herkunftsnachweis“ die gesamte Wertschöpfungskette eines Lederproduktes nachvollziehen kann.

   
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