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Oktober 201728.09.2017
Oktober 2017

Das „Bienensterben“ ist seit einigen Jahren ein fest stehender medialer Begriff. Was vielen nicht bewusst ist: Meist werden dabei zwei Themenfelder vermischt. Denn wenn sie „Bienen“ hören, denken die meisten Menschen an die Honigbiene. Die in der ursprünglichen Natur beheimatete Wildbiene wird oft gedanklich übergangen. Die Honigbiene hat gute Anwälte: Die Imker sorgen nach ihren Möglichkeiten für ihre Bedürfnisse, für ihre Gesundheit und ihr Überleben. Und auch in dieser Ausgabe der bioNachrichten geht es vor allem um die uns vertraute Honigbiene – ihre Intelligenz, ihren faszinierenden Staat, ihre Krankheiten. Als Nutztier ist ihre Erforschung für Imker und Wissenschaftler von großem Interesse. Schwinden die Imker, schwindet auch die Honigbiene.

 

Weniger Rückhalt von den Menschen bekommt dagegen die Wildbiene, und daher möchte ich mein Editorial besonders dieser Bienenart widmen. Zwei Drittel der  Bestäubung von Blüten erfolgt durch wild lebende Insekten. Die Wildbiene arbeitet dabei effizienter als die Honigbiene. Doch es steht schlecht um das friedliche Insekt. Von den mehr als 560 in Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind 35,2 Prozent gefährdet und weitere 5,5 Prozent vom Aussterben bedroht. Und das liegt vor allem daran, dass ihre Lebensräume durch den Menschen vernichtet wurden und werden. Was die Wildbiene braucht, ist eine reich strukturierte Landschaft mit Wildpflanzen, einem vielfältigen Blütenangebot, Nistplätzen in Sand, Totholz, Schneckenhäusern und Erde, Lehm und Steine als Baumaterial. Der wachsende Ausbau von Straßen und Häusern einerseits, die industrielle Landwirtschaft andererseits hat den Lebensraum der Wildbienen zerstört. Monokulturen, aufgeräumte Wälder, naturfeindliche Gärten befördern immer mehr Wildbienen auf die Rote Liste der bedrohten Arten. Und beiden – sowohl den Honig- als auch den Wildbienen – machen die Pestizide und Neonicotinoide zu schaffen, die auf ihr Gehirn wirken und ihnen ihre außerordentlichen Fähigkeiten nehmen.

Der Bestand der Wildbienen ist ein Indiz dafür, wie es um unsere Umwelt steht. Wir müssen die Agrarlandschaft nachhaltig nutzen, wenn wir unsere Bienen, unsere Biodiversität und unser Ökosystem nicht gefährden wollen. Mehr Platz für Bienen! An diese Prämisse sollte sich jeder Landwirt, jeder Gartenbesitzer und letztlich auch jeder Verbraucher mit dem Kauf von nachhaltig erzeugten Lebensmitteln erinnern.

Viel Spaß mit der neuen Ausgabe und einen schönen Herbst!

Eure
Ronja Zöls



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